Die Forschungskonzeption

Der Forschungsgegenstand:

Ein innovatives betriebliches Gesundheitsmanagement muss an den Problemen der neuen Steuerungs- und Organisationsformen von Arbeit ("indirekte Steuerung") ansetzen: Viele Untersuchungen zeigen, dass die Beschäftigten mit einem gestiegenen Arbeits- und Leistungsdruck konfrontiert sind, der mit deutlich negativen Konsequenzen für Wohlbefinden und Gesundheit verbunden sein kann.

Dabei sind es insbesondere wachsende psychische Belastungen, die sich auf die Leistungsfähigkeit, die Regeneration und die Vereinbarkeit von Arbeit und Leben negativ auswirken. Steigende Leistungsfähigkeit und steigende Leistungsbereitschaft kann deshalb zu einem psychischen Verschleiß führen, der letztlich den Interessen der Unternehmen und erst recht den Interessen der Beschäftigten zuwiderläuft.

Andererseits ist seit langem bekannt, dass größere individuelle Gestaltungs- und Verantwortungsspielräume unter bestimmten Bedingungen förderlich für Leistungsbereitschaft, Wohlbefinden und auch Gesundheit sind. Ein solches salutogenes Potential gilt es aufzuspüren und für die Entwicklung eines partizipativen Gesundheitsmanagements zu nutzen.

Dieses Potential hängt jedoch nicht nur von den Beschäftigten ab, sondern auch von den Bedingungen, die durch die betriebliche Leistungssteuerung gesetzt werden, sowie von den Möglichkeiten betrieblicher Interessenvertretung. Die Forschungsarbeiten im Projekt richten sich deshalb darauf, die Beziehungen zwischen diesen Bereichen zu untersuchen:

Die Forschungsfragen:

PARGEMA fragt danach,

  • welche Probleme neue Organisations- und Steuerungsformen für die Gesundheit der Beschäftigten aufwerfen und welche neuen Möglichkeiten der Beteiligung von Beschäftigten sie bieten;
  • wie es um die Gesundheit der Beschäftigten bestellt ist, welche Bedeutung für sie Gesundheit im Kontext ihrer Lebensführung und welche Folgen dies für ihr Gesundheitsverhalten und ihr Interesse an Partizipation hat;
  • welche Möglichkeiten (etwa aufgrund gesetzlicher Bestimmungen) die einzelnen Mitarbeiter wie auch die betriebliche Interessenvertretung haben, auf die Bedingungen neuer Organisations- und Steuerungsformen wie auch auf Gesundheitsbewusstsein und Gesundheitsverhalten Einfluss zu nehmen.

Die Vorgehensweise:

Die Forschungsaktivitäten im Projekt PARGEMA lassen sich in drei Phasen gliedern:

Phase 1: Bestandsaufnahme der Ausgangssituation bei den beteiligten Betrieben (Basisfallstudien)

Hier werden grundlegende Daten erhoben zu

  • betrieblichen Rahmenbedingungen ("harte" und "weiche" Faktoren)
  • Arbeitsorganisation und Leistungssteuerung
  • Partizipation und Führung
  • Arbeits- und Gesundheitsschutz
  • Gefährdungssituation
  • Gestaltungsbedarf, -ansätze, -akteure, -möglichkeiten, -erwartungen an PARGEMA

Phase 2: Gestaltung, Evaluation, Untersuchung ausgewählter Beschäftigtengruppen

Die Ergebnisse der Basisfallstudien sind Ausgangspunkt für die Gestaltungsmaßnahmen, deren Durchführung die beteiligten Unternehmen mit PARGEMA vereinbaren. PARGEMA unterstützt und evaluiert die Gestaltungsmaßnahmen, die sich entlang der Präventionsspirale verorten lassen.

Neben der Unterstützung und Evaluation der Gestaltungsmaßnahmen werden intensivere Untersuchungen bestimmter Teilfragestellungen (etwa zur Bedeutung von Gesundheit im Kontext der Lebensführung oder zur besonderen Situation von Führungskräften) anhand ausgewählter Beschäftigtengruppen durchgeführt.

Phase 3: Zusammenführung, Generalisierung und Transfer der Forschungsergebnisse

Die Ergebnisse der Forschungsarbeiten werden in einem integrierten Konzept des partizipativen Gesundheitsmanagements zusammengeführt. In einer Betriebsrätebefragung werden die Befunde des Projektes auf einer repräsentativen Basis überprüft. Schließlich wird das Konzept des partizipativen Gesundheitsmanagements über den Kreis der am Projekt beteiligten Betriebe hinaus breit transferiert.

Die Forschungsmethoden

Eine Vielzahl qualitativer wie auch standardisierter Erhebungs- und Auswertungsmethoden kommt zum Einsatz: Von Expertengesprächen, Gruppendiskussionen und Intensivinterviews über arbeitswissenschaftliche Verfahren (KABA) bis hin zu repräsentativen Befragungen. Jeder Verbundpartner bringt eine eigenständige Expertise ein, die im Verbund genutzt werden kann.