Förderschwerpunkt "Präventiver Arbeits- und Gesundheitsschutz"

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert seit 2006 30 Vorhaben zu Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet "Präventiver Arbeits- und Gesundheitsschutz".

Im Mittelpunkt stehen Vorhaben, die die Integration von Sicherheit und Gesundheit im betrieblichen Handeln sowie die Unterstützung der überbetrieblichen Akteure bei der Neuorientierung ihrer Aufgaben zum Ziel haben. Damit sollen Lücken in der Forschung zur Prävention im Arbeits- und Gesundheitsschutz geschlossen werden. Es werden Ergebnisse erwartet, die dazu beitragen, dass die Prävention in betriebliche Innovationsstrategien integriert wird und dass die zur Lösung zukünftiger Herausforderungen erforderlichen neuen Akteursallianzen aufgebaut und verstetigt werden können. Insgesamt sollen mit diesen Maßnahmen die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft verbessert, attraktive Arbeitsverhältnisse in den Unternehmen geschaffen und die Zukunftsorientierung der überbetrieblichen Präventionseinrichtungen unterstützt werden.

Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz werden immer mehr zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor. Volkswirtschaftlich und in den einzelnen Unternehmen entstehen hohe wirtschaftliche Verluste durch einen mangelnden ganzheitlichen betrieblichen Arbeits- und Gesundheitsschutz. Die Schätzung der volkswirtschaftlichen Produktionsausfälle in Deutschland beläuft sich für 2003 auf ca. 43 Milliarden Euro [Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit 2004]. Jährlicher Bericht der Bundesregierung . Dies ist nicht allein einer unzureichenden oder belastenden Technikgestaltung geschuldet. Gesundheit am Arbeitsplatz bzw. vorbeugende Maßnahmen im Rahmen der betrieblichen Gesundheitspolitik werden entscheidend durch eine in die Kultur des Unternehmens integrierte Prävention, das Engagement und die Kompetenz der Unternehmensführung und des Managements geprägt. Auf diese Zusammenhänge hat auch die Expertenkommission "Zukunftsfähige betriebliche Gesundheitspolitik" eindringlich hingewiesen [Expertenkommission der Bertelsmann Stiftung und Hans-Böckler-Stiftung zur betrieblichen Gesundheitspolitik. Schlussbericht 2004].

Die Veränderungen in der Arbeitswelt haben auch dazu geführt, dass sich die Aufgaben der überbetrieblichen Akteure im Arbeits- und Gesundheitsschutz wandeln. Waren diese Aufgaben in der Vergangenheit vorrangig dadurch geprägt, von den Unternehmen die Einhaltung von Verordnungen und Regelungen einzufordern, wie z.B. zu persönlichen Schutzausrüstungen, zur ergonomischen Gestaltung von Arbeitsplätzen oder zum Umgang mit Schadstoffen, so treten, forciert durch die neuen Formen von Arbeit, ganz andere Themen und Aufgaben in den Vordergrund: psychische Belastung und Beanspruchung, Entwicklung von Managementmethoden und Führungsinstrumenten zur Förderung der Selbstregulation (Work-Life-Balance), Erhaltung der Arbeitsfähigkeit, Bewältigung des demographischen Wandels usw. So suchen Berufsgenossenschaften einen eigenständigen Weg zwischen Überwachung und Beratung, Krankenkassen bieten ein breites Spektrum an betrieblich wirksamen Präventionsmaßnahmen an. Mit dem Gesetz zur Modernisierung der gesetzlichen Krankenversicherung unterstützt der Gesetzgeber seit Beginn des Jahres 2004 die Möglichkeit, dass Krankenkassen für Aktivitäten der betrieblichen Gesundheitsförderung einen Bonus ausschütten.

Erfolgreiche Prävention setzt voraus, dass sich die Betriebe an international erfolgreichen Präventionsstrategien orientieren. Hierzu gehört es auch, dass die Betriebe mit entsprechenden Maßnahmen ihre Beschäftigten dazu befähigen, dass sie eine Mitverantwortung für ihr berufliches, präventives Handeln übernehmen können. Höhere Produktivität, geringe Unfallzahlen und geringe Fehlzeiten in am Markt erfolgreichen Unternehmen sind Belege für eine wirksame Sicherheits- und Gesundheitsarbeit [Bisherige Forschungsergebnisse zeigen eindrucksvoll den Zusammenhang zwischen Innovationskraft, langfristig wirtschaftlichem Erfolg sowie hohem Sicherheits- und Gesundheitsniveau auf. Vgl. hierzu Bernhard Zimolong (Hg.): Management des Arbeits- und Gesundheitsschutzes - Die erfolgreichen Strategien der Unternehmen. Gabler Verlag, Wiesbaden 2001].

Der Förderschwerpunkt "Präventiver Arbeits- und Gesundheitsschutz" wird im neuen BMBF-Förderprogramm "Arbeiten - Lernen - Kompetenzen entwickeln. Innovationsfähigkeit in einer modernen Arbeitswelt" durchgeführt. In ihm arbeiteten bisher 30 Vorhaben in 9 Verbund- und 5 Einzelprojekten mit. Die Fragestellung der fünf Fokusgruppen "Prävention als Wettbewerbsfaktor", "Betriebliches Innovationsmanagement", "Überbetriebliche Allianzen", "Partizipation/Führung" sowie "Gesundheitsförderung im demographischen Wandel" ist nun um die Fokusgruppe "Innovationsstrategie und Gesundheit" thematisch erweitert worden und um einige Projekte gewachsen. Ein gesondertes Einzelvorhaben widmet sich dem "Strategischen Transfer im Arbeits- und Gesundheitsschutz" und leistet so einen Beitrag zu einer wissenschaftlich fundierten und empirisch erprobten Vorgehensweise zum erfolgreichen Wissenstransfer in diesem Bereich.

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